Erster 5-Sterne Stuckateur in Baden-Württemberg!

Ausgezeichnete Ausbildung

So jung und schon Preisträgerin beim Wettbewerb »Stuckateur des Jahres« – die 23-jährige DHBW-Studentin Isabell Rückle wusste die Jury mit ihrer hoch informativen und kreativ gestalteten Präsentation zum Thema Ausbildung zu überzeugen. Die gelernte Stuckateurin ist Mitarbeiterin der überregional bekannten Soyez GmbH.

Anfang März 2016 wurde auf der Messe »Farbe, Ausbau & Fassade « der Marketing-Preis »Stuckateur des Jahres« vergeben. Eine »Besondere Erwähnung« erhielt dabei Isabell Rückle, DHBW-Studentin bei der Soyez Stuckateur GmbH, Fachrichtung BWL-Handwerk, 3. Semester, für ihre gelungene Präsentation zum Thema Ausbildung. Grund genug für ausbau + fassade, um die Preisträgerin und ihren Betrieb näher vorzustellen. Isabell Rückle ist eine schlanke, sportliche, zierliche junge Frau. Sie erntet oftmals ungläubiges Kopfschütteln, wenn die Sprache darauf kommt, dass sie in der Zeit vor ihrem Studium eine Ausbildung zur Stuckateurin absolviert hat. Manch einer kommt da ins Zweifeln. Doch dieser Umstand ist genauso wahr wie schnell erklärt: Ihr Vater Peter Rückle führt zusammen mit seinem Bruder Stefan die Rückle GmbH in Stuttgart-Möhringen, das Interesse am Handwerk wurde ihr sozusagen in die Wiege gelegt. Isabell lacht und bestätigt diese These: »Mein Vater hat früher für meinen Bruder Daniel, meine Schwester Jasmina und mich Stuckengel gefertigt und an uns verschenkt. Wir haben sie danach angemalt, so wie wir es mit unserem damaligen Bauwagen gemacht haben.«

Ausgeprägtes Duchhaltevermögen
Mutter Daniela arbeitete ebenfalls im Betrieb mit, die Kinder spielten im Büro, so dass eine große Nähe zum elterlichen Betrieb enstand. Isabell: »Ich bin in den Sommerferien immer mit auf die Baustellen gefahren und habe mich nützlich gemacht. Mir wurde schnell klar, dass ich später einen Handwerksberuf erlernen wollte.« Nach ihrem Abitur im Jahre 2012 war es dann soweit: Sie begann ihre Ausbildung zur Stuckateurin im Unternehmen ihres Vaters, mit allem was dazugehört: Teambesprechung morgens um 6 Uhr früh, Ausarbeitung des Tagesplans, die Arbeit auf der Baustelle und Feierabend gegen 17 Uhr. Wer das Isabell nicht zutraut, kennt die 23-Jährige schlecht. Einige ihrer typischen Charaktermerkmale sind Ehrgeiz und Durchhaltever – mögen. »Ich wurde nicht geschont«, erinnert sie sich. »Ich habe schwere Säcke geschleppt wie alle anderen auch. Ich wurde im Trockenbau und bei Malerarbeiten eingesetzt und habe viel über Farbenlehre, Formenbau und sämtliche Gipserarbeiten gelernt. Es hat mich angespornt, wenn mir etwas nicht zugetraut wurde.« Mit Lehrzeitverkürzung war sie nach zwei Jahren fertig – nicht ohne eine Auszeichnung von der Handwerkskammer Stuttgart für »besonders gute Leistungen« mitzunehmen.

Familiäre Atmosphäre überzeugt
Schon während der Ausbildung schaute sich Isabell nach Weiterbildungsmöglichkeiten um. »Ich hatte mich für einen Weg ins Management entschlossen, da mir die Arbeit auf der Baustelle auf Dauer zu einseitig war.« SAF-Mitarbeiter Frank Gericke empfahl ihr für das angedachte Studium BWL-Handwerk die Firma Soyez in Ilsfeld (Kreis Heilbronn). Isabell: »Ich habe mich spontan beworben und zur Sicherheit auch ein dreiwöchiges Praktikum absolviert. Obwohl es ein großes Bau-Unternehmen mit 90 Mitarbeitern ist, hat mich die freundliche und familiäre Atmosphäre überzeugt. Kurze Zeit später habe ich den Arbeitsvertrag unterschrieben und im Herbst 2014 mit meinem Studium begonnen.« Das duale Studium dauert insgesamt sechs Semster. Drei Monate an der Universität Stuttgart wechseln sich mit drei Monaten Arbeit bei der Soyez Stuckateur GmbH ab. Im Idealfall ist Isabell nach drei Jahren im Sommer 2017 fertig und hat dann den Bachelor-Titel in der Tasche. »Es macht richtig Spaß«, sprudelt es aus ihr heraus. »Die Lerninhalte sind sehr breit gefächert: Materialwirtschaft, Personalkunde, Marketing, Organisationslehre, Gebäudeklimatik, VWL, Recht und noch einiges mehr gehören dazu. Man bekommt in vielen Bereichen einen tiefen Einblick. Es ist zwar auch anstrengend, aber ich mag es, wenn ich gefordert werde und etwas lernen kann.« Mit dem Lernen soll es auch nach dem Studium nicht vorbei sein. »Ich würde mir gerne noch den Meisterbrief im Stuckateurgewerk verdienen«, gesteht sie, »aber zunächst möchte ich erst einmal arbeiten und in meinem Unternehmen Erfahrungen sammeln.«

Fünf-Sterne-Betrieb
Stichwort Soyez GmbH: Der 1948 gegründete Stuckateurbetrieb Erwin Eisele in Oberstenfeld (Kreis Ludwigsburg) bildete Anfang der 1980er-Jahre Axel Soyez zum Stuckateur aus. 1993 übernahm der ehemalige Lehrling den Acht-Mann-Betrieb und erweiterte ihn 1995 durch die Fachrichtung »Maler«. Die Angebotspalette wuchs mit den Jahren: Nachdem die Firma im Jahr 2000 nach Ilsfeld gezogen war, wurde die »Soyez GmbH Haus und Renovieren« gegründet. 2002 folgte der Kauf der H. Lutz GmbH, einem Spezialist im gehobenen Trockenbau. 2007 kommt die Axel Soyez Spezial hinzu, die sich um hochwertige Spachtel- und feine Malerarbeiten kümmert. Die rasante Erfolgs – geschichte wird mit zahlreichen Unternehmerpreisen belohnt, unter anderem bekam die Axel Soyez GmbH 2006 und 2012 die »Fünf-Sterne- Betrieb«- Auszeichnung verliehen. 2016 beschäftigt das Unternehmen 90 festangestellte Mitarbeiter, davon neun Lehrlinge. Das Portfolio der Soyez Stuckateur GmbH umfasst sämtliche Bereiche von der Fassadengestaltung über Wärmedämmung, Trockenbau, Oberflächengestaltung und Nassputz bis hin zur Komplettrenovierung. Isabell Rückle schnuppert derzeit in jede Abteilung des Unternehmens ein paar Wochen hinein und bekommt gründliche Einblicke, wie die Tagesabläufe gestaltet und organisiert werden. Sie bestätigt: »Ich habe eine sehr abwechslungsreiche Arbeit und kann hier noch viel lernen.« Für die gebürtige Stuttgarterin ist der große Erfolg des noch jungen Unternehmens logisch nachvollziehbar. Maßgebliche Gründe für den Aufstieg des Unternehmens sind ihrer Meinung nach die genaue Aufteilung der jeweiligen Aufgaben beziehungsweise die klare Strukturierung der Arbeits abläufe. Isabell bringt es auf den Punkt: »Jeder weiß bei uns, was er tun muss. Darüber hinaus ist unser Chef stets offen für Innovationen und für Vorschläge der Mitarbeiter.«

Großer Aufwand bei der Ausbildung
Stichwort Mitarbeiter: Diese werden schon von der Pike an, also schon in Ausbildungszeiten, mit viel Aufwand und Sorgfalt betreut. Getreu dem Motto: »Das Personal ist das wertvollste Kapital einer Firma«. Isabell Rückle nickt: »Wir haben bei Soyez eine eigene Lehrlingsabteilung, die von Stuckateurmeister Marcel Schäfer betreut wird. Es gibt ein Mal die Woche eine Azubi-Besprechung. Marcel geht auf jeden Lehrling ein und beantwortet ihre Fragen.« Um überhaupt an geeignete Auszubildende heranzukommen, pflegt Soyez intensive Bildungspartnerschaften mit den örtlichen Schulen. Darüber hinaus geht Marcel Schäfer regelmäßig als Ausbildungsbotschafter auf Messen und Schulen, mit dem Ziel, die Schüler für den Stuckateurberuf zu begeistern. Er war es übrigens, der Isabell inspirierte, bei dem Wettbewerb »Stuckateur des Jahres« mitzumachen.

Präsentation und Buch
Isabell erinnert sich: »Er sagte mir, dass ich mir zum Thema Ausbildung etwas einfallen lassen soll. Da wir einen dicken Ordner mit vielen Informationen und Unterlagen zu diesem Bereich führen, habe ich aus diesem Material eine Präsentation erstellt, mit dem Ziel, daraus ein Buch – eine Art ›Ausbildungsratgeber‹ – zu machen und für unsere Lehrlinge bereitzustellen.« In diesem Buch können die werdenden Stuckateure nachlesen, wie facettenreich ihr Beruf ist, welche Lerninhalte auf sie zukommen und welche Aufstiegschancen sie später bei Soyez und allgemein in ihrem Gewerk haben werden. Ende 2015 reichte Isabell die Präsentation beim Bundesverband ein und im März 2016 kam die Nachricht, dass sie unbedingt zur Messe »Farbe, Ausbau & Fassade« kommen soll. Isabell: »Rainer König, der Verbandspräsident, hat mich dort mit einer ›Besonderen Erwähnung‹ überrascht und mir für meine Arbeit ein dickes Lob aus gesprochen. Ich soll so engagiert weitermachen, wie bisher. Auch mein Chef war von meinem Erfolg begeistert. Ich habe mich riesig über diese Ehrung gefreut.« Die junge Frau weiß ihre Umwelt offensichtlich mit Fleiß, guten Argumenten und Fachwissen zu überzeugen. Trotz allem Ehrgeiz, trotz aller Vernunft, ist Isabell ein Mensch geblieben, der stets nach dem Bauchgefühl entscheidet. »Ich hatte schon immer ein ausgeprägtes Harmoniebedürfnis, deshalb fühle ich mich bei Soyez in allen Belangen sehr gut aufgehoben.«